19.Jahrhundert

Aus Dokumentation Obersiebenbrunn
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Mathias Böhm,geb. 1780

Ein ehemaliger Nachtwächter aus Obersiebenbrunn wendet sich 1864 an das Pfarramt Obersiebenbrunn um Unterstützung. Mathias Böhm wurde wahrscheinlich während der Napoleon-Kriege 1809 zu Militär eingezogen. Recherchiert von Helga Hansi, überarbeitet von Gerhard Frohner


An das Hochlöbliche Pfarramt in Obersiebenbrunn
( Ein Schreiben des ehemaligen Nachtwächters Mathias Böhm geboren 1780 )

Ich als ein alter Mann mit 84 Jahre habe mir nicht anders helfen können, ich war gezwungen mich an meinen ältesten Sohn zu wenden um damit ich Hilfe und Stütze und Ordnung und Reinlichkeit in der Wäsche und wen ich heite oder morgen in ein Kranken Lager komme damit ich jemand habe der mir meine Treue und Reinlichkeit verschaft den mit der Kost was mir die Bauern schicken mit dem allein ist nicht genug ich brauche jemand der mit Waschen fliken und mich seubern thut den wen ich noch eine Zeit hätte müssen hir bleiben so hätte mich das Ungezifer verzehrt jetzt Schlafe ich wie wen ich neu geboren wäre weil mich meine Schwieger Tochter Theresia gereinigt hat den die hat selbst nicht einen Kreuzer Geld auf einer Seite zum Waschen folglich hätte sie mich nicht reinigen können. Das letzte Hemd was ich am Leibe hatte das war ganz voll schon mit Ungeziffer. Ich hatte weder Ruh noch Rast Tag oder Nacht. Wen ich denkt habe was soll ich anfangen als ein alter Mann mit 84 Jahre sollst dich von Ungeziffer quwelen lassen so lange ich lebe, aber zufälliger Weise komt mein Sohn zu mir auf Besuch und sieht das ich im Elende so hat er mich gleich mit sich genomen um mich zu reinigen und mich in kindlicher Liebe zu Pflegen so lange ich noch leben werde.

Nun ihr Hochwürden Herr Pfarrer so möchte ich mich an ihnen wenden den bey meiner Abreise von Obersiebenbrunn bin ich sehr schlecht entlassen worden. Nicht einmal 2 Kreuzer auf eine Semel unter Weges zu Essen. Habe ich als Krieger der 14 Jahr 8 Monath gedint hat nicht mehr verdint? Ich bin der Gemeinde jetzt mit allen entlastet und der Herr Bürgermeister Weichberger waren beysamen wie sie mir mein Reise Certivikat geschrieben haben und lassen mich ohne einen Kreuzer Geld abreisen. das haben sie mir zur Antwort gegeben, sie werden mit dem Herrn Pfarrer spreche das ich etwas bekomme. Ja ich setzte die Frage bin ich für die Pfarre Soldat worden oder für die Gemeinde? Hätte mich die Gemeinde Obersiebenbrunn lassen wo ich war, hätten sie mich nicht gefangen und hingeschickt und angehängt zum Militär Leben. Ich habe gestritten, gekämpft für das Vaterland, habe nur schwere Dienstzeit gehabt bin zwei mal blessiert worden und habe eine traurige und schwöre Dienstzeit gehabt und jetzt als alter Man soll ich mich quellen lassen von Ungeziefer. Die 3 Jahre aeid dem ich nicht mehr Gemeinde Dienst machen kann hat mich die Gemeinde noch nicht gefragt ob ich ein Hemd oder einen Stiefel hab oder sonst Kleinigkeiten was der Mensch zu seinen Lebens Bedarf haben muß, und von den Verdienen ist jetzt bey mir keine Rede mehr weil ich nicht mehr arbeiten kann. Nun Vielgeliebtester Herr Seelensorger. Helfen sie mir das ich meinen Sohn nicht ganz zur Last falle mit etwas einer Unterstützung und sprechen sie mir beym Herrn Bürgermeister ein Wort das sie mich von der Gemeinde nicht verstosen sollen und sollen mir auch eine Unterstützung geben. Ich habe alles was ich brauch und was ich mir wünsch aber mich kommt es hart an wen ich denke auf die verflosene Zeit wie kümmerlich bist wie traurig bist gestanden. Pulver Dampf Kanonen in Blitz und Kugel Regen für das Vaterland. Wie hart haben wir gekänpft und jetzt habe ich als alter Greis gar nichts aufzuweisen. Ich bitte und ersuche sie Ihr Hochwürden Herr Pfarrer und hoffe sie werden sich meiner erbarmen und werden mich etwas Unterstützen und auch hoffe ich von der Gemeinde etwas wen sie Hochwürden meine Bitte der Gemeinde vortragen werden. Ich bitte vielmals als Bittsteller.

Ihr ergebener Diener Mathias Böhm als gewesener Nachtwächter in Obersiebenbrunn. Das Adress lautet an meinen Sohn Mathias Böhm Bahnwärter in Liesing.

29./2.1864

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