Bauernarbeit früher

Aus Dokumentation Obersiebenbrunn
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Bauernarbeit - früher

Text von Gerhard Frohner, im Jänner 2004

Wir schreiben das Jahr 2004. Die Arbeit der Marchfeldbauern ist so wie früher auf die Erzeugung von Lebensmittel gerichtet, speziell auf Getreide. Daher Kornkammer Österreichs.

Der Arbeitsprozess jedoch ist heute ein wesentlich anderer.
Aquarell von Eidam O., Quelle: Mag. Günther Zier

GETREIDE:
Das Ackern besorgten Pferde oder auch Ochsen. Diese Tiere zogen einen einscharigen Pflug, und waren imstande an einem Tag 1 Joch zu pflügen. Nach entsprechender Breite des frisch geackerten Feldes wurde abgeeggt. Vor der Aussaat wurde wieder geeggt, diesmal mit einer schweren Egge. Danach erfolgte die Aussaat: Die Sämaschine hatte vorne ein Lenkteil, welches vom Kutscher gelenkt wurde. Hinter der Maschine stolperte den ganzen Tag eine Person hinterher, welche zu achten hatte, dass es zu keinen Verstopfungen der Särohre kam.

Erst im Frühjahr widmet man sich wieder dem Getreide. Es kam oft zu Auswinterungen und dann musste auch der Stickstoff-Dünger gestreut werden. Dazu wurde ein Jutesack verwendet, welcher zu einem Umhängeschurz gebunden war. In diesem Schurz wurde der Dünger eingefüllt. Mit diesen gefüllten Sack schritt man übers Feld und streute möglichst gleichmäßig aus.

Ebenfalls im Frühjahr wurde mit einer leichten Egge gestriegelt, um doch ein wenig Unkraut zu dezimieren. Das Hauptunkraut bestand aber aus den verschiedenen Arten von Disteln. Diese versuchte man mit Distelstechern zu reduzieren. (Eine Sisyphusarbeit)

Dann fieberte man der Erntezeit entgegen. Die Sense war das wichtigste Requisit. Die Schnitter kamen bei den meisten Bauern durchwegs aus der Slowakei, weniger aus Tschechien. Meistens waren es die gleichen Leute, die zuvor schon die Rüben vereinzelten und scherten. Eine Schnitterpartie bestand aus dem Schnitter, der Aufbinderin und einer Person, wobei bei mehreren Partien ein Garbenbinder dabei war, welcher die Garben binden musste. Bei Getreide, wie Roggen, wurde aus dem Stroh das Band geknüpft. Nur bei kurzen Weizen und der Gerste verwendete man Juteschnüre.

Das Tagwerk begann zeitig in der Früh. Mittags gab es wegen der Hitze eine längere Rast und nachmittags wurde bis zum späten Abend gemäht. Eine eigene Partie von Hofleuten trug die Garben zusammen. Diese wurden auf Mandeln geschichtet, wo es Kreuz- oder zusammengestellte Mandeln gab. Obenauf saß immer eine Garbe, der sog. Reiter, welcher bei eventuellen Regen als Regenschutz dienen sollte. Zwischen den Mandelreihen, welche peinlich gerade in einer Reihe stehen mussten, wurde oft schon der Stoppelsturz durchgeführt. Diese Mandeln standen längere Zeit am Feld, denn die Körner sollten gut nachreifen. Gemäht wurde ja damals nie zur Vollreife, (wegen der Ausfallgefahr), sondern kurz vor dieser.

Bei größeren Herrschaftsbetrieben waren es sicherlich 20 oder 30 Partien. Diese Leute wurden abends mit Pferdewagen nach Hause transportiert. Bei der Herrschaft mit Leiterwagen, wo man am Wagenboden saß und die Füße herunterbaumeln ließ. Erwähnenswert ist, dass, obwohl ein schwerer Arbeitstag erledigt wurde, die Menschen noch Lust hatten, am Nachhauseweg zu singen.

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