Von Schloß zu Schloß

Aus Dokumentation Obersiebenbrunn
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Das Buch "Von Schloß zu Schloß in Östereich". Von Gerhard Stenzel, 1976, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien.

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Der Text, Zitat:

Der »point de vue« 

Obersiebenbrunn • Niederösterreich


Nicht der unter Prinz Eugen umgestaltete einstöckige Vierflügel-Schloßbau des 17. Jh. mit Turm ist hier sehenswert, sondern das barocke Gartenhaus im Lukas-von-Hilde-brandt-Gelb am Sternplatz der verwilderten Obersiebenbrunner Gartenanlage.

LAGE: Südl. Gänserndorf. BESICHTIGUNG: Eingeschränkt möglich.

Als der alte Prinz Eugen die Herrschaften Schloßhof und Niederweiden in seinen Besitz brachte und mit ihrem großzügigen Ausbau begann, übereignete ihm Kaiser Karl VI. auch Schloß und Herrschaft Obersiebenbrunn samt Oberweiden und Lassee ». . . zu einer beliebigen Excursion und Landtsdistraction«.

Immer wieder hatte der Berater seines Kaisers von der Notwendigkeit gesprochen, das so gefährdete Vorfeld der Reichshauptstadt durch weitreichende Landerschließungen zu festigen. Schon im Frühjahr 1726 war deshalb auch um Obersiebenbrunn ein Heer von Taglöhnern beschäftigt: Sümpfe wurden trockengelegt, Teiche entstanden, der Stempfelbach erhielt ein neues Bett, den aufgeworfenen Damm entlang pflanzte man Ulmen. Während das Schloß umgebaut wurde, schlugen Forstleute acht Alleen durch den Wald, zu deren Schnittpunkt, vom Schloß her leicht ansteigend, die Hauptallee führte. Auf diesen Punkt, den »point de vue«, ließ Eugen seinen Architekten einen modernen Pavillon setzen.

Der um den Bestand der Monarchie stets besorgte Feldherr und Politiker Eugen konnte nicht ahnen, daß man diesen Pavillon dereinst nur als Sehenswürdigkeit des »Barock«, nicht aber als Krönung einer bedeutenden Landerschließung bewundern würde. Vom Wort »barock« hatte der Prinz sein Leben lang ebensowenig gehört wie von einem Kunststil mit dieser Bezeichnung.


Rechts: Der Gartenpavillon des L. v. Hildebrandt (1728) ist mit Fresken des Jonas Drenwett — Groteskmalereien von ihm sieht man auch im Belvedere — ausgestattet. Mythologische Frauenraubgruppen (Raub der Sabinerinnen, Europa auf dem Stier, etc.), tanzende Bauernpaare, Früchte und Blumen künden von der Freude des Barock an leuchtenden Farben. Oben: Das Bild zeigt einen Flußgott, der Jagdgöttin Diana behilflich.

Wand- und Deckenmalereien des Pavilons

Link: Fresken

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